2 Monate bei ACC Namibia — Bericht von Beatrix von Eycken — Seite 4: „Die Kinder und der Buddhismus“

Vortrag am 18.02.2018 zum Neujahrsfest im Amitofo Care Centre Germany e.V.

in Düsseldorf

2 Monate bei Amitofo Care Centre of Namibia (abk. ACC Namibia)

Bericht von Beatrix von Eycken

Seite 4:

Die Kinder und der Buddhismus

Buddhismus ist in Namibia so gut wie nicht existent. Die meisten Namibier sind Christen. Viele sind sehr gläubig. ACC Namibia ist eine buddhistische Organisation und lebt die entsprechenden Werte. So wird z.B. kein Fleisch gegessen. Buddhismus bedeutet aber auch, dass es den Kindern überlassen bleibt, sich selbst für eine Zufluchtsnahme zu Buddha zu entscheiden. Sie haben die Chance, den Buddhismus kennenzulernen. Eine Missionierung findet nicht statt. Das Ziel von ACC ist es, respektvolle, gebildete und tolerante Menschen zu erziehen, die anderen Kulturen und Glaubensrichtungen aufgeschlossen begegnen.

Es gibt ein Morgen- und ein Abendritual, an denen die Kinder teilnehmen müssen und es gibt die Unterweisung in Ethik und Meditation. Die Direktorin selbst achtet jedoch sehr darauf, dass der Glaube der Kinder respektiert wird. Diese Toleranz zeigt sich auch darin, dass nicht alle asiatischen Mitarbeitern alle Buddhisten sind – ebenso wenig wie ich.

Die Spenden

All dies, was hier geschaffen und am Leben gehalten wird, wird zu 100 % durch Spenden ermöglicht. Das Essen pro Person für einen Tag kostet: Frühstück 2 NAM$, Mittagessen 4 NAM$, Abendessen 2 NAM$. Ca, 15 NAM $ sind 1 Euro. Als ich dort war, wurden mittags ca. 90 Menschen (also inkl. der Mitarbeiter, die in Okahandja wohnen) versorgt. Geplant ist, künftig 300 Kinder zu versorgen. Entsprechend mehr Mitarbeiter werden benötigt. Hinzu kommen die Kosten für Personal, Grundstücke, Fuhrpark, Kleidung, …

Und damit nicht genug: ACC Namibia unterstützt die namibische Gesellschaft auch außerhalb des Centres, indem es z.B. 3 Suppenküchen mit Lebensmitteln unterhält.

Als ich dort war, kam ein Container, voll mit den verschiedensten Sachen und Gegenständen. Abgesehen von Kleidung, Kräutern und vielem anderen kam eine Tischtennisplatte. Die Freude war riesig. Aber es kamen auch Rollstühle. ACC verteilt diese dort, wo Bedarf herrscht. Das Prozedere ist dasselbe wie für die Kinder: Jeder kann seinen Bedarf anmelden und dann kommt es zu Einzelfallprüfungen. Man spürt in all dem die große Verantwortung den Spendern gegenüber, sorgfältigst mit den Gaben umzugehen.

Der ethische Anspruch

Überhaupt ist der ethische Anspruch, den ACC in Namibia lebt, bewundernswert. Dies betrifft nicht nur den Umgang mit den Spenden, sondern auch alle anderen Bereiche des Lebens. Es beginnt damit, man sich der allgegenwärtigen Korruption nicht beugt. Gesetze werden befolgt und es wird nicht nach Schlupflöchern gesucht, um sie zu vermeiden. Wird ein Fehler gemacht, wird dafür eingestanden und korrigiert. In der deutschen Wirtschaft reden wir oft davon, dass eine positive Fehlerkultur benötigt wird. ACC Namibia lebt sie.

Situation vor Ort

Dieser ethische Anspruch wird in einem Land hochgehalten, in dem Korruption allgegenwärtig ist. Ich komme aus Deutschland und mir ist nie klar gewesen, was Korruption für das tägliche Leben bedeutet. Als ich eine SMS mit einer Geldforderung für eine Behördenleistung gelesen habe, musste ich zuerst lachen. Bis mir klar wurde, was dies wirklich bedeutet: keine Sicherheit.

Auch Planungssicherheit ist ein schwieriges Thema. So wurde z.B. aufgrund von Geldmangel im Jahr 2017 das Schuljahr an den öffentlichen Schulen kurzfristig um 2 Wochen verkürzt. Der Staat hätte die Lehrer nicht zahlen können. Da ACC sich an den öffentlichen Schulen orientiert, wurde auch hier das Schuljahr gekürzt. Viele Pläne mussten dadurch geändert werden.

Namibia ist ein armes Land, trotz seiner immensen Bodenschätze. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, zwischen 25 und 30 %. Die Entfernungen sind riesig. Wenn ACC eine Stellenanzeige für Putzleute in der lokalen Tageszeitung schaltet, melden sich Menschen aus dem ganzen Land. Für die Bewerbungsgespräche nehmen sie lange Wege in Kauf. Es gibt so gut wie keinen öffentlichen Verkehr, d.h. die Menschen nutzen die Fahrgelegenheiten, die sich bieten. So sind sie auch schon einmal 3 Tage unterwegs, um zum vereinbarten Vorstellungstermin im Centre zu erscheinen, und zwar „neat and tidy“. Die Gespräche dauern teilweise keine 30 Minuten, denn wenn ein Bewerber sehr dick ist oder man Gelenkprobleme schon an seiner Art sich zu bewegen sieht, ist eine Putz-Anstellung sinnlos. Die Menschen merken dies natürlich. Dann kommt die Verzweiflung. Oft still. Tränen in den Augen und leise gesprochene Worte. „ I do anything if I can only work “. Und dann gehen sie. In ihren besten Kleidern. Machen sich wieder auf den langen Weg zurück, der sie wahrscheinlich ihr letztes Geld kosten wird.

Die hohe Arbeitslosigkeit macht es ausländischen Organisationen schwer, ausländische Arbeitskräfte nach Namibia zu bringen. Die eigene Arbeitnehmerschaft soll geschützt werden. Dadurch ist es extrem schwierig, Arbeitsvisa zu erhalten. Dies gilt auch für Freiwilligenarbeit. Man möchte nicht, dass zu viel Arbeit unentgeltlich von Ausländern verrichtet wird und somit den Einwohnern weitere Möglichkeiten nimmt, Arbeit gegen einen geringen Lohn zu finden. Andererseits können die Ausländer natürlich Expertise bringen. Es handelt sich um eine echte Gratwanderung.

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