Report Teil 1: Beatrix aus Deutschland besucht Amitofo Care Centre in Namibia

Am 22. September 2017 war es soweit: Endlich komme ich in Windhoek an. Morgens um 6.30. Die Dämmerung mit grauen und rosa Farben, eine Kühle, die schon die Hitze in sich trägt und Schwalben, die kurz vor dem Zusammenstoß zum Glück dann doch abdrehen: Das sind meine ersten Eindrücke von Namibia nach dem Verlassen des Flugzeugs. Min Chen, die taiwanische Direktorin von ACC in Namibia, holt mich ab und bringt mich zum Care Center, das sich in der Nähe von Okahandja befindet. Die C 31, die Straße, auf der sich das Care Center befindet, ist sehr wellig. Auf einem der Wellenhügel sehe ich plötzlich die gewölbten roten und blauen Dächer. Das nächste „Wellental“ lässt sie allerdings sofort wieder verschwinden.

Wir erreichen das Zentrum gegen Mittag. Mitarbeiter und die Kinder ruhen: Rundherum ist nichts, nur Savanne. Was sofort nach Verlassen des Autos auffällt, ist die unglaubliche Stille. Ab und zu ein Vogel, ab und zu ein Insekt, sehr selten ein vorbeifahrendes Auto. Mehr Geräusche gibt es nicht. Man gewöhnt sich schnell an Stille: In der zweiten Nacht werde ich vom Flügelschlag einer Motto geweckt – und in Deutschland wohne ich neben einer Autobahn…

Min führt mich herum und zeigt mir das Center. Das Center besteht aus diversen Gebäudekomplexen. Es gibt vier große Hallen: die Multifunktions-Halle, die Sporthalle, das Lager und die Essens-/Verwaltungshalle sind gigantisch. Dahinter befinden sich in Häusern die Appartements für Mitarbeiter und Gäste.

Das Center arbeitet mit 11 Mitarbeitern aus verschiedenen asiatischen Ländern und 23 lokalen Mitarbeitern. Zurzeit gibt es einige freie Stellen. Die Suche nach lokalen Kräften läuft.

In eigenen Gebäuden befinden sich die Klassen und Schlafzimmer der Kinder, die jeweils um einen Innenhof gruppiert sind. Alles ist großzügig und luftig angelegt. 54 Kinder, im Alter von 6 – 8 Jahren leben zurzeit im Center, besuchen hier Vorschule und zur Schule (die Grade 0 und 1 des namibischen Curriculum). Auf dem Lehrplan stehen u.a . Englisch, Mathe, Chinesisch und Kung Fu. Die Erziehung im Center ist kostenlos und finanziert sich allein aus Spenden.

Dann habe ich die Gelegenheit, Mitarbeiter und Kinder kennenzulernen. Der herzliche Empfang nimmt mir alle meine Befürchtungen. Das Essen ist lecker und die Schlafzimmer sind freundlich. Das große Abenteuer, an dem ich euch teilhaben lassen möchte, kann beginnen.

Ich werde in meinen Berichten jeweils ein bestimmtes Thema aufnehmen und vorstellen. In jedem Bericht wird auch einen Mitarbeiter von Amitofo präsentiert. Als erste natürlich die Direktorin, Min Chen.

Min Chen ist 42 Jahre alt und kommt aus Taiwan. Sie arbeitet seit 2009 für Amitofo, zuerst in der Verwaltung in Taiwan bis ihr die Leitung des Care Centers in Namibia angeboten wurde.

F: Min, wann und wie bist Du zum ersten Mal mit Amitofo in Kontakt getreten?
A: Mein erster Kontakt mit Amitofo war beruflich. Ich habe eine Stellung als Designerin gesucht. Über eine Freundin, die eine Mitarbeiterin bei Amitofo kannte, habe ich von einer offenen Stelle bei Amitofo erfahren, die ich dann auch bekommen habe.

F: Du bist jetzt seit 2 Jahren in Namibia: Was war für Dich in dieser Zeit die größte Herausforderung?
A: Eine der größten Herausforderungen sind die interkulturellen Unterschiede. Man benötigt eine Zeit, um die unterschiedlichen Denkweisen und Werte zu verstehen – auf beiden Seiten. Wir möchten eine gute Arbeitsatmosphäre für lokale und ausländische Mitarbeiter schaffen. Dies erfordert Respekt und Verständnis. Es ist nicht immer einfach, aber wir sind auf einem guten Weg.
Die Bürokratie stellt eine weitere Herausforderung dar: Die Einarbeitung in eine andere Gesetzgebung und andere Regularien ist schwierig. Wir sind sehr froh, dass die Namibier so freundlich und geduldig sind und unsere Fragen immer bereitwillig beantworten.

F: Wie funktioniert die Integration des Care Centers in das namibische Umfeld?
A: In unserem Vorstand befinden sich freiwillige Namibier. Wir betreiben 3 Suppenküchen. Wir erhalten gespendete Rollstühle, die wir verteilen. Die Menschen können einen Antrag einreichen, um einen der Rollstühle zu erhalten. Wir besuchen die Antragsteller dann, um sicherzugehen, dass alle Spenden wirklich an Bedürftige gehen. Außerdem organisieren wir internationale Veranstaltungen, bei denen sich Spender und Namibier treffen.

F: Welchen Ziele hat Amitofo als buddhistische Organisation?
A: Zu Beginn gab es Sorge, dass das Ziel von Amitofo die Missionierung der Kinder sein könnte. Dies ist ganz entschieden nicht der Fall. Unser Interesse dient einzig dem Wohl der Kinder, indem wir ihnen die Vorteile einer guten Ausbildung in einer sicheren Umgebung bieten. Wir möchten, dass die Kinder eine offene Sicht auf die Welt haben, tolerant gegenüber anderen Kulturen sind und eine internationale Vision der Welt bekommen.

F: Was sind die nächsten Schritte?
A: Wir werden einen Antrag stellen, der es uns erlaubt, auch die Grade 2- 7 an unserer Schule zu unterrichten. Unser Ziel ist es, das gesamte namibische Curriculum anzubieten. Außerdem gehen unsere Bautätigkeiten weiter, da wir deutlich mehr Kindern an unserer Schule geben möchten. Natürlich laufen auch unsere schon bestehenden Programme weiter. D. h. dass wir zurzeit im Auswahlprozess für die Kinder sind, die im nächsten Schuljahr unsere Grade 0 und 1 besuchen können. Bewerbungen wurden eingereicht und wir werden die Familien jetzt mit unserer Sozialarbeiterin besuchen, um die Kinder mit dem höchsten Bedarf zu finden.

F: Was ist Dein Anspruch an Dich und an Deine Mitarbeiter?
A: Ich freue mich, wenn Menschen ihrer Arbeit engagiert nachgehen. Es ist schön zu sehen, wie eine internationale Gemeinschaft zusammenwächst und alle bereit sind, von einander zu lernen.

F: Welche Hoffnung hast Du mit Deiner Arbeit in Namibia verbunden?
Ich hatte eine bestimmte Vision, als ich meine Arbeit in Namibia aufgenommen habe. Diese Vision traf dann auf die Realität. Es ist meine Hoffnung, dass ich die Probleme, die sich stellen, löse, um ein offenes und respektvolles Umfeld zum Wohle der Kinder zu schaffen.

Bericht Nr. 2: Die Schule — BEATRIX AUS DEUTSCHLAND BESUCHT AMITOFO CARE CENTRE IN NAMIBIA